13. Juli 2014 – 13:00 Uhr – 17.00 Uhr

Heute müssen wir uns verabschieden. Es wurde uns bei einem Gespräch mitgeteilt. Die Kinder sollen noch andere Pflegeeltern kennenlernen. Wir sind auf Grund der Schwangerschaft nicht länger geeignet. Wir sehen das anders. GANZ ANDERS. Wir haben uns bereits als dreifach Eltern gesehen und auch empfunden. Wir hätten die gesamte Schwangerschaft mit den Twins gemeinsam erleben können, sie hätten sich daran gewöhnen können wir auch. Wir wären mit oder ohne Baby eine Familie geworden. Die Behörden sehen das anders.

So ist es an uns, uns heute bei den Twins zu verabschieden. Wir gehen gemeinsam in den Zoo. Wir werden versuchen so normal wie möglich mit Ihnen umzugehen. Wir sitzen noch nicht ganz im Auto da erfahren wir bereits, dass den beiden sehr wohl klar ist, dass wir uns heute das Letzte mal sehen. Sie ist neugierig. Warum wir keine Pflegeeltern werden? Wann wir wieder kommen? Warum sie jemanden neues kennenlernen müssen. Sie sagt: sie sei traurig. Sie mag uns und hätte uns gern als Pflegeeltern gehabt.

Wir starren geradeaus auf die Straße.

Im Zoo ist es wie es sein sollte. Wir mieten einen Bollerwagen, schauen uns Affen und Eulen an und versuchen gegen die gefräßigen Ziegen uns durchzusetzen. Ein kleiner Ziegen-Kind Vorfall und einige dicke Tränen später sehen wir für außenstehende bestimmt wie eine „normale“ Familie aus. Wir fühlen uns auch so. Das macht es nicht leichter. Auf dem Spielplatz meine ersten (und vorerst letzten) Müttergespräche. Mir ist schlecht.

Auf dem Rückweg sind beide leise. Sie versprechen uns bei den nächsten Pflegeeltern auch so lieb zu sein. Sie wollen nicht. Sie sagen beide, bei den nächsten sind sie nicht so nett, nur ganz am Anfang, denn zu Fremden ist man freundlich. Wenn man sich kennt, dann brauchen die beiden sich nicht mehr verstellen – so erklären die beiden uns das. Wir müssen natürlich lachen, aber gleichzeitig trauen wir ihnen zu, dass sie das durchziehen.

 

In der Wohngruppe dann sind auch die Betreuer von der Entscheidung nicht begeistert. Wir lassen die neuen Kindersitze in der Wohngruppe – die gehören ja den beiden. Beim verabschieden fragt er uns, wann wir denn wieder seine Pflegeeltern werden. Ich kann ihm nicht mehr sagen, als dass er neue Pflegeeltern kriegen wird. Wir sind uns nicht sicher ob das auch stimmt. Sie werden bald sechs Jahre alt. Es wird schwierig neue Eltern zu finden. Das sehen auch die Betreuer so. Es wird beiden eine „Heimkarriere“ prophezeit. Das macht es uns nicht leichter. Wir verabschieden uns.

Draußen gucken wir nur noch in den Himmel. Es regnet. So sieht man die Tränen wenigstens nicht.