21.03.2013, 19:00 Uhr – 21:30 Uhr

Die Schulung für Pfelgeelternbewerber findet wieder im gewohnten Ostblock-Charme-behaftetetn-Bürokomplex statt. Man kennt sich aus. Wir finden direkt in die richtige Etage und steuern Zielsicher auf den Schulungsraum zu. Selten war ich so froh, nicht alleine einen Raum betreten zu müssen. Wir sind spät dran – nicht zu spät – aber anscheinend war der Rest der Gruppe bereits eine gefühlte halbe Stunde vor uns da. Alle haben bereits die strategisch guten Plätze für sich in Anspruch genommen.

Der erste Gang durch einen Raum mit fremden Menschen. Geschafft. Wir sitzen gegenüber der Tür, seitlich der Schulungsleiterinnen (im gewohnten Wohlfühllook, welcher trotzdem einen Touch Business ausstrahlen soll) und umringt von den „Anderen“.

Es wird wie erwartet. Es folgt ein Kennlernspiel! Etwas anders als in den Firmenschulungen: die Gruppe ratet wie die Person die sich gerade vorstellt heißt, was diese macht, wo sie wohnt etc… es wird lustig. Ich gebe zu, ich greife tief (sehr sehr tief) in die „Vorurteils-Kiste“ und lande damit tatsächlich ein paar Namens-Treffer. Die Auflösungen sind interessant. Es ist alles dabei, Paare, Singles, verheiratete, nicht-verheiratete, mit Kind(er), ohne Kind, alle Stadtteile und auch das Umland sind vertreten. Insgesamt sind wir 13 Teilnehmer. Eine überschaubare Truppe.

Auch die Dame „vom Amt“ ist da. So wird sie uns vorgestellt. Soll heißen, auch das Jugendamt beteiligt sich an diesen Schulungen, wenn auch nicht finanziell aber zumindest hat man „sie“ schon einmal gesehen. Ich habe gleich das Gefühl hier muss ich aufpassen. Mich benehmen. Ich fange an zu lächeln. Dieses eingefrorene Hochzeitsbild lächeln bei jedem Punkt den die Dame vom Amt ausführt. Aha denke ich. So läuft der Hase.

Nun sollen Abläufe, Strukturen und Themen verdeutlicht werden. Als ein rotes Knäul aus der geölten Holzkiste geholt wird, höre ich hier und da ein lachen und diese Semi-lauten ohhhs und aha’s die verdeutlichen sollen, dass derjenige diese „Spielchen“ bereits kennt. Ich kenne es nicht und bleibe stumm. Das fällt zumindest meiner Nachbarin auf. Ich lächle – Hochzeitsbildgleich. Wir bedienen uns jetzt dieses roten Knäule und werfen die einer anderen Person im Raum zu. Während des werfens soll etwas zum Thema gesagt werden. So lautet die Anweisung. Ich kann nicht fangen und ich kann nicht werfen. Viele Jahre im Jugend-Basketball haben mich das gelehrt. Aber gut, ich bewahre Ruhe und denke mir: wenn’s allzu peinlich wird, dann gehst du einfach. Kennt dich ja keiner – hoffe ich. Ich schaffe es. Gekonnt fange ich das leichte, leuchtend rote Knäul auf und werfe es trickreich nur zwei Plätze weiter. Am Schluss entsteht ein riesiges Spinnennetz am Boden. „Das ist das Bild zum Thema Pflegekinder.“ Ich finde die Aktion im Nachhinein sehr gelungen. Das rote Knäul bleibt mir suspekt – aber vielleicht werde ich es mal im Büro anwenden mit dem Motto: „Das spiegelt unsere Organisation beim Kaffeebecher spülen wider.“ …oder so. Einfach um es mal gemacht zu haben.

Es werden Mappen verteilt, Listen herumgereicht und wir werden mit einem freundlich und äußert ehrlich gemeinten „Bis nächste Woche“ in unseren Feierabend entlassen.

Wir haben uns entschieden – die Schulung machen wir mit. Da kann man bestimmt auch so viel lernen.