19. März 2013 – 13.00 Uhr

Wir haben einen Termin. Großer Bürokomplex. Verschiedene Firmen in einem Gebäude. Man entwickelt das Gefühl, man müsste ständig über die eigene Schulter gucken. Was, wenn uns einer erkennt? Wir wollen ja „nur mal gucken“. Wir haben uns noch nicht entschieden. Wir sind unentschlossen.

Ich habe kurz den Gedanken wieder zu gehen. Da stehen wir, in Business Kleidung, während unserer Mittagspause vor der schlichten Glaseingangstür und warten auf unseren Termin.

Wir werden von quirligen Damen im Ethno Look begrüßt. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Aber nun ist es zu spät. Ab ins mit Pflanzen bestückte, Foto gespickte, hell-gelb gestrichene Gemeinschaftsbüro. Es folgt das übliche: eine kurze Entschuldigungen der Damen, dass die Schreibtische nicht aufgeräumt sind – ich entdecke nicht einmal einen Staubkorn! Dann ist es doch ganz leicht. Es wird viel gelacht, wir Damen scherzen über die Männerwelt und kommen von „Höcksken auf Stöcksken“. Uns wird gleich der sozial-pädagogische Aspekt dieser Runde bewusst, denn mein Mann wird umgehend in den Schutz genommen. Generell ausgenommen von allen vermeintlich schlechten Männereigenschaften. Ihm gefällt’s sichtlich.

Dann erfahren wir mehr. Über den Verein der die Schulungen der Pflegeeltern durchführt. Wie schwierig es ist die richtigen „Pflegeeltern“ für die Kinder zu finden. Wie unterschiedlich die Gründe sind warum Kinder in eine Pflegeeinrichtung kommen. Und wir lernen, dass man nicht mehr Kinderheim sagt. Denn es sind jetzt Wohngruppen. Das klingt freundlicher, denn mit „Heim“ verbindet man nicht mehr Heim & Herd sondern die Grusel Geschichten in den Zeitungen, die mit den prügelnden Erziehern, die grauen Wände, die verwahrlosten Kinder… also gut denke ich, Wohngruppe.

Auch wir müssen erzählen, warum wir hier sind. Was wir machen und wie wir vielleicht Pflegeeltern sein könnten. Wir antworten ehrlich. Was bringt es hier nach gewünschten Antworten zu suchen und diese aufzusagen?

Dann kommt die entscheidende Frage, ob wir an der Ausbildung teilnehmen möchten? Wir bräuchten keine angst haben, man könne ja jederzeit aufhören und auch am Schluss immer noch sagen das wir doch kein Pflegekind wollen. Wir sagen ja. Zufällig 😉 beginnt ein Kurs noch im kommenden Monat.

Was ein Glück denke ich. Was ein Stress denkt mein Mann.